Drucken | Senden | Podcast | Forschung per E-Mail

Müllabladen verboten!

Verbotsschilder bewirken oftmals genau das Gegenteil von dem, wofür sie ursprünglich aufgestellt wurden.

Viele von uns kennen das: Eine zugemüllte Wiese mit dem Schild „Grünfläche bitte sauber halten“, ein mit ‚Tretminen‘ übersäter Platz mit dem Hinweis: „Hier ist kein Hundeklo“ oder ein Geländer, an das neben unzähligen angeketteten Fahrrädern ein „Fahrrad abstellen verboten“-Schild angebracht ist. Absurd, denn dabei sollten diese Plätze besonders frei von unerwünschten Gegenständen sein. Die Frage ist also: Warum wird gerade an einem Verbotsschild das untersagte Verhalten begangen und welche Einflüsse spielen dabei eine Rolle?

Das Forschungsteam um Kees Keizer von der Universität Groningen ging davon aus, dass die Absicht, sich in einer Situation entsprechend allgemeiner Regeln zu verhalten, variiert je nachdem, wie bewusst eine Norm in einer gegebenen Situation ist. Dass man seinen Müll nicht auf die Straße werfen soll, wird einem beispielsweise dadurch bewusst, dass man gerade vor einem Wegwerfen-Verboten-Schild steht. Jedoch sollte nach Annahme des Forschungsteams das Verbotsschild auch die Aufmerksamkeit darauf lenken, inwiefern sich andere an vorgegebene Normen halten. Das bedeutet, dass eine erhöhte Aufmerksamkeit auf Normverletzungen paradoxerweise sogar zu einem häufigeren Auftreten des verbotenen Verhaltens führt als wenn es gar kein Schild gegeben hätte.

Um diese Annahmen zu testen, befestigte das Team einen Werbeflyer an den Fahrradlenkern der in einer Einkaufsstraße geparkten Fahrräder. Weiter sorgte es dafür, dass dieser Bereich entweder sauber war oder dass einige leere Büchsen auf dem Boden lagen. Wie zu erwarten war warfen mehr Personen den Flyer auf den Boden, wenn dieser nicht sauber, sondern schon mit Müll bedeckt war. Wie wirkte sich aber die Anwesenheit eines entsprechenden Verbotsschildes aus? Es zeigte sich, dass hier weniger Leute den Werbeflyer fallen ließen. Allerdings - und das ist der kritische Punkt - funktionierte dies nur, wenn die Fläche vorher sauber war. War die Fläche schon zugemüllt und das Verbotsschild präsent, ließen sogar mehr Leute den Müll fallen als wenn der Platz zugemüllt, aber kein Verbotsschild sichtbar war. Zudem musste die Fläche nicht einmal mit Müll verdreckt sein. Selbst wenn der Fahrradbereich sauber war, aber Graffiti-Schriftzüge trotz eines Graffiti-Verbotsschildes aufwies, warfen mehr Personen den Flyer auf den Boden als ohne Verbotsschild.

Die Ergebnisse bestätigen die Annahmen des Forschungsteams, dass Verbotsschilder eine Norm und damit eben auch die Normverstöße salienter, also bewusster machen. Verstöße gegen die Normen fallen durch ein Verbotsschild mehr auf. Wenn es sichtbar ist, dass andere vorher schon eine Vorschrift gebrochen haben, ist es daher also wahrscheinlicher, dass man es ihnen nachahmt.

Sollten Stadtverwaltungen Verbotsschilder aufstellen, ist also insbesondere darauf zu achten, dass Normen, die dadurch vorgegeben werden, nicht schon verletzt worden sind, sei es durch Verschmutzungen an der Straße, Graffiti oder auch falsch geparkte Autos. Falls das nicht zu umgehen ist, können Verbotsschilder leicht in den gegenteiligen Effekt umkehren und das Stadtbild somit verschlechtert werden.

 

Keizer, K., Lindenberg, S., & Steg, L. (2011). The reversal effect of prohibition signs. Group Processes & Intergroup Relations, 14, 681–688.

 


Das Buch

Jetzt NEU:
Das Buch zu Forschung erleben in der 2. Auflage!
„Ich, du, wir und die anderen – Spannendes aus der Sozialpsychologie“
herausgegeben vom Team um Forschung erleben

Bild_Buch_Auflage_2

zum Buch

 

 
 
 
 
Wussten Sie...?!MitmachenNewsletterWer wir sindLinks