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Anleitung zum Ungeduldigsein

Logos von Fast Food-Ketten können zu ungeduldigem Verhalten führen.

Wie wird man glücklich? Wie wird man schlank? Wie findet man die Liebe seines Lebens? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich Massen an Ratgebern. Aber hat Ihnen schon einmal jemand erklärt, wie man möglichst schnell und erfolgreich ungeduldig wird? Natürlich ist diese Frage mit einem Augenzwinkern gestellt. Dennoch hat sie einen ernsten Hintergrund. Wenn wir im Beruf hohe Anforderungen an uns selbst stellen, erfordert dies oftmals, dass wir bei Tätigkeiten in unserer Freizeit Zeit sparen: So versenden wir E-Mails statt handgeschriebener Briefe und greifen zum Fast Food anstelle von Selbstgekochtem. Mit welchen Konsequenzen der Griff zu solch zeitsparenden Mitteln verbunden sein kann, zeigt eine aktuelle Studie von Chen-Bo Zhong und Sanford DeVoe von der Universität in Toronto. Ihre Idee: Die Konfrontation mit Fast Food lässt Menschen ungeduldig werden, auch wenn sie sich nicht in einem Fast Food-Restaurant befinden.

In ihrer ersten Studie präsentierten Zhong und DeVoe der Hälfte ihrer Teilnehmenden Logos von McDonald’s, Burger King und anderen Fast Food-Ketten auf einem Computerbildschirm. Die Darbietungszeit der Logos war dabei mit 12 Millisekunden so kurz, dass die Versuchspersonen sie nicht bewusst wahrnehmen konnten. Einer Kontrollgruppe wurden statt der Logos einfache Quadrate präsentiert. Anschließend wurden die die Teilnehmenden gebeten, einen Text über die Stadt Toronto zu lesen und sich dabei so viel Zeit zu lassen, wie sie wollten. Tatsächlich schienen die Personen, welche zuvor die Fast-Food-Logos gesehen hatten, ungeduldiger: Sie ließen sich beim Lesen des Texts deutlich weniger Zeit als die Teilnehmenden in der Kontrollgruppe.

In einer weiteren Studie baten die beiden Forscher die Hälfte ihrer Teilnehmenden, das Design von Logos diverser Fast Food-Ketten zu bewerten. Die andere Hälfte hingegen bewertete die Logos von „normalen“ billigen Restaurants. Anschließend konnten sich die Versuchspersonen  entscheiden: Entweder für einen geringeren Geldbetrag, den sie sofort erhalten sollten, oder für einen höheren Geldbetrag, den sie jedoch erst nach einer Woche Wartezeit bekommen würden. In der Tat zeigten auch in dieser Studie genau die Personen einen Hang zur Ungeduld, welche zuvor mit den Logos der Fast Food-Ketten konfrontiert worden waren: Sie wählten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit den sofortigen, aber niedrigeren Geldbetrag.

Offenbar kann eine simple Konfrontation mit Logos wie dem goldenen „M“ unser Verhalten beeinflussen. Das kann daran liegen, dass wir mit den uns bekannten Fast Food-Logos Konzepte wie „Schnelligkeit“ oder „Effizienz“ verknüpfen, was uns prompt ungeduldig werden lässt. Denkbar wäre allerdings auch, dass die Wahrnehmung von Fast-Food-Logos uns einfach nur motiviert, schneller und effizienter zu agieren – ohne dass wir dabei direkt Ungeduld verspüren.

 

Zhong, C.-B. & DeVoe, S. E. (2010). You Are How You Eat: Fast Food and Impatience. Psychological Science, 21(5), 619-622.



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