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Dankbar sein für schlechte Ratschläge

Die Ablehnung eines Ratschlags verringert den Selbstwert und zukünftiges wohlwollendes Verhalten der beratenden Person, insbesondere wenn die ratsuchende Person als undankbar wahrgenommen wird.

Wir erhalten dauernd Ratschläge: von Ärzte*innen, von den Eltern, vom Freundeskreis – überall erhalten wir wohlgemeinte Worte. Einige dieser Empfehlungen mögen für uns unbrauchbar sein. Insbesondere bei zweifelhafter Expertise der beratenden Person empfiehlt es sich, den Rat kritisch zu hinterfragen. Ein zu direktes „Nein“ kann jedoch verletzen und die Beziehung womöglich längerfristig belasten. Wenn der Selbstwert der beratenden Person durch die Ablehnung des Ratschlags angegriffen wird, könnte es sein, dass diese in Zukunft weniger wohlwollend mit der ratsuchenden Person umgeht.

Dieser Vermutung sind Liuba Belkin und Dejun Kong nachgegangen. In einer ihrer Untersuchungen sollten Teilnehmende die Rolle der beratenden Person einnehmen. Deren Aufgabe war es, einer andere, anonyme Person einen Ratschlag zu geben. Der Hälfte Teilnehmenden wurde zurückmeldet dass ihr Ratschlag abgelehnt wurde, wohingegen der Rat der anderen Hälfte der Teilnehmenden angenommen wurde. Tatsächlich fanden die Forschenden, dass der Selbstwert der Teilnehmenden nach Ablehnung des Ratschlags geringer war. Auch die anschließende Bereitschaft, der anonymen Person etwas Gutes zu tun, war bei diesen Teilnehmenden niedriger.

Interessanterweise konnten die Forschenden in einer weiteren Untersuchung beobachten, dass die Art des Feedbacks eine wichtige Rolle spielt. Bei der Ablehnung des Ratschlags machte es einen Unterschied, ob die anonyme Person dennoch Dankbarkeit zeigte (z.B. „Vielen Dank für deine Hilfe!“). In solch einem Fall sank der Selbstwert der Teilnehmenden nicht so stark im Vergleich zu einem undankbaren Feedback (z.B. „Dein Ratschlag ist nicht hilfreich!“) oder neutralem Feedback (z.B. „Ich habe deinen Ratschlag zur Kenntnis genommen.“). Die Bereitschaft, der anonymen Person etwas Gutes zu tun, war bei dankbarem Feedback ebenfalls höher.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Ablehnung eines Vorschlags den Selbstwert der beratenden Person senken kann. Infolgedessen kann die Bereitschaft abnehmen, in zukünftigen Interaktionen mit der ratsuchenden Person wohlwollend zu sein. Für den Alltag gilt deshalb: Falls wir ungeeignete Ratschläge erhalten, sollten wir darauf achten, wie wir diese ablehnen. Dies besonders, wenn wir in Zukunft noch auf die beratende Person angewiesen sind. Schließlich steckt hinter den meisten Ratschlägen – und seien sie noch so unbrauchbar – viel Mühe.

 

Belkin, L. (2018). Implications of advice rejection in repeated exchanges: Advisor responses and advisee gratitude expression as a buffer. Journal of Experimental Social Psychology, 78, 181-194. doi:10.1016/j.jesp.2018.03.012

Redaktion und Ansprechpartner*in¹: Selma Rudert¹, Lea Nahon

 



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