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Die vielen Wege zum Glück

Auch negative Emotionen können zu einem positiven Wohlbefinden beitragen.

In seinem Buch „Hectors Reise“ schickt der Autor François Lelord den Psychiater Hector auf die Suche nach dem Glück. Auf dieser Reise entdeckt Hector unter anderem, dass Glück darin besteht, akzeptiert zu werden wie man ist oder auch, dass es nicht nur einen Weg gibt, um Glück zu erfahren. Dies steht im Widerspruch zu unserem intuitiven Verständnis von Glück und auch der meisten Forschung zu dem Thema, in welcher sich häufig zeigt, dass Glück durch das Maximieren positiver und das Minimieren negativer Emotionen entsteht. Eine andere Sichtweise, wie sie schon von Aristoteles vertreten wurde, besteht darin, dass Glück auch durch das Empfinden negativer Emotionen entstehen kann, solange man diese auch erleben möchte. So möchte sich beispielsweise eine Person, die sich ungerecht behandelt fühlt, wütend fühlen, was für die Person in dieser Situation zwar eine negative, aber für sie wünschenswerte Emotion darstellt. Aristoteles würde in diesem Fall davon ausgehen, dass auch Wut als negative Emotion die Person glücklich machen kann.

Ein Forschungsteam um Maya Tamir machte sich in einer Forschungsarbeit auf die Suche nach der Quelle des Glücks. Genauer gesagt war ihr Ziel zu klären, ob lediglich das Erleben positiver Emotionen zum Glück beiträgt oder auch die Übereinstimmung zwischen erlebten und wünschenswerten Emotionen – unabhängig davon, ob es sich dabei um positive oder negative Emotionen handelt.

In einer Studie, welche in acht Ländern weltweit erhoben wurde, machten die Teilnehmenden Angaben zu den Emotionen, welche sie in ihrem Alltag gerne erleben möchten und jenen Emotionen, welche sie tatsächlich erlebten. Zudem wurden Fragen zu der Lebenszufriedenheit und zur Erfassung depressiver Merkmale gestellt. Im Einklang mit bisheriger Forschung zeigte sich, dass die Lebenszufriedenheit umso höher ist, je mehr positive Emotionen man erlebt; umso mehr negative Emotionen erlebt werden, desto geringer ist die Lebenszufriedenheit. Betrachtet man daneben noch die Abweichung zwischen den erlebten und den erwünschten Emotionen, so zeigt sich jedoch, dass es nicht nur wichtig ist, welche Emotionen man tatsächlich erlebt. So berichteten 10% der Befragten, dass sie gerne mehr negative Emotionen empfinden würden, als es aktuell der Fall ist. Zudem geben Personen mit einer geringeren Abweichung zwischen ihren erwünschten und tatsächlichen Emotionen ein höheres Wohlbefinden und weniger depressive Symptome an. Dieses Muster zeigte sich in den meisten untersuchten Ländern.

Die Ergebnisse zeigen also in zwei Richtungen. Einerseits hängt das Erleben von mehr positiven Emotionen und weniger negativen Emotionen mit höherer Lebenszufriedenheit zusammen. Andererseits zeigte sich jedoch auch Aristoteles Annahme unterstützt, da die Abweichung von empfundenen Emotionen und jenen, die man erleben möchte, ausschlaggebend für das erlebte Glück ist. Je eher wir das empfinden, was wir empfinden wollen, desto glücklicher scheinen wir zu sein. Eine alternative Sichtweise auf Glück könnte darin bestehen, dass nicht nur das Erleben positiver Emotionen zu mehr Zufriedenheit führt, sondern dass die Emotionen sich auch passend anfühlen sollten. Hat man daher das Gefühl, dass in einer bestimmten Situation zum Beispiel Ärger oder Wut als Emotion angebracht ist, so kann das Erleben dieser Emotion auch glücklich machen, selbst wenn sie negativ ist. Aus letzterer Sichtweise, die nicht nur durch Aristoteles, sondern auch durch die Romanfigur Hector gestützt wird, ergibt sich, dass das Vermeiden negativer Emotionen auch nicht immer der Weg zum Glück ist.

 

Tamir, M., Schwartz, S. H., Oishi, S., & Kim, M. Y. (2017). The secret to happiness: Feeling good or feeling right? Journal of Experimental Psychology: General, 146, 1448-1459. doi: 10.1037/xge0000303

Redaktion und AnsprechpartnerIn*: Selma Rudert*, Matt Keller

 



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