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Gelangweilt? Mit HeldInnen von Sinnlosigkeit zu Sinnhaftigkeit

Die Zuwendung zu HeldInnen kann bei Neigung zur Langeweile neuen (Lebens-)Sinn stiften.

Bereits Goethe schrieb: „Langeweile ist ein böses Kraut, aber auch eine Würze, die viel verdaut.“ Langeweile ist ein Zustand, der den meisten Menschen wohl tatsächlich nicht sehr beliebt ist. Ob es sich um einen trockenen Vortrag, einen langatmigen Film oder eine ewig dauernde Bahnfahrt handelt: Befinden sich Menschen in einer Situation, in der keine bedeutsamen Aktivitäten oder sozialen Interaktionen stattfinden können, entstehen Gefühle der Sinnlosigkeit. Wie kann man in dem Zusammenhang nun von Würze sprechen?

Da Sinnlosigkeit der Natur des Menschen zu widerstreben scheint, steuern wir laut bisheriger Forschung automatisch gegen und suchen nach etwas Sinnhaftem. Entsprechend zeigten frühere Studien, dass Langeweile ein Zustand ist, der zu sinnstiftenden Gegenmaßnahmen führte - von Hilfsbereitschaft bis hin zu extremeren politischen Einstellungen.

Ein Forschungsteam um Gillan Coughlan stellte sich nun die Frage, ob auch Helden und Heldinnen der Sinnstiftung bei Langeweile dienen können. HeldInnen verkörpern oft die eigenen Ziele, Wünsche und Bedürfnisse. So können sie inspirieren, Hoffnung und letztendlich, so vermuten die Forschenden, auch ein Gefühl der Sinnhaftigkeit geben.

Diese Idee untersuchten die Forschenden in einer Studie, in welcher die Teilnehmenden gebeten wurden, Fragen hinsichtlich ihrer Neigung zur Langeweile sowie zu Sinn und Sinnsuche in ihrem Leben zu beantworten. Danach bewerteten die Teilnehmenden Martin Luther King Jr., Mahatma Ghandi und Neil Armstrong, die laut einem Vortest als Helden angesehen wurden. Die Teilnehmenden gaben an, wie besonders sie jede der Persönlichkeiten ansahen, inwiefern sie die Person bewunderten, diese sie inspirierte und ihnen ein Gefühl von Bedeutsamkeit gab.

Die Ergebnisse bestätigen die Annahmen des Forschungsteams: Eine erhöhte Tendenz zu Langeweile hing mit mehr Sinnsuche zusammen, und Sinnsuche wiederum mit einer stärkeren Wertschätzung der Helden. Die Forschenden schlussfolgerten, dass Langeweile allgemein ein Signal für die Bedrohung der Sinnhaftigkeit im eigenen Leben ist und dass dieses Signal einen Prozess auslöst, die Wahrnehmung von Sinn und Bedeutung im Leben wiederherzustellen. Entsprechend hing eine positivere Sicht auf die Helden auch mit einer stärker wahrgenommenen Sinnhaftigkeit zusammen. Diese Wirkrichtungen sind allerdings in weiteren Studien experimentell zu untersuchen, beispielsweise wenn Menschen in einer spezifischen Situation in Langeweile versetzt werden.
 
Die Studie reiht sich in frühere Erkenntnisse ein, dass Langeweile unter anderem eine erhöhte Hilfsbereitschaft hervorrufen kann. Langweile vermag entsprechend tatsächlich die besagte Würze im Leben schaffen. Es kommt nur darauf an, was wir aus ihr machen – ob wir uns HeldInnen zuwenden oder entschließen, selbst heldenhaft zu handeln.

 

Coughlan, G., Igou, E. R., van Tilburg, W. A. P., Kinsella, E. L., & Ritchie, T. D. (2017). On boredom and perceptions of heroes: A meaning-regulation approach to heroism. Journal of Humanistic Psychology. Advance online publication. doi:10.1177/0022167817705281

Von Goethe, J. W. (1827). Gedichte. Ausgabe letzter Hand. Stuttgart; Tübingen: Cotta.

Redaktion und AnsprechpartnerIn*: Janin Rössel*, Maria Douneva

 



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