Drucken | Senden | Forschung per E-Mail

„Man ist, was man isst?!“ – Scharfes Essen und aggressive Gedanken

Drei empirische Studien zeigen, dass scharfes Essen und Aggressionen gedanklich miteinander assoziiert sind.

Ein Zitat aus einer der grundlegenden Schriften für den Hinduismus, das in Form von Sprichwörtern in Indien sehr verbreitet ist, besagt, dass: “Katv-amla-lavanaty-usna-tiksna-ruksa-vidahinah/ahara rajasasyesta duhkha-sokamaya-pradah.” [Essen, das zu bitter, zu süß, salzig, scharf, trocken und brennend ist, ist leidenschaftlichen Menschen lieb. Solches Essen ist ursächlich für Schmerz, Not, Elend und Krankheit.] Bhagavad Gita (17:9). Ist eine solche Aussage aus wissenschaftlicher Perspektive vertretbar? Ist man wirklich, was man isst? In der psychologischen Forschung gibt es schon lange Hinweise darauf, dass sich das von uns Erlebte auch auf unsere gedanklichen Vorgänge auswirken kann. In Studien wurde beispielsweise gezeigt, dass eine kurze Präsentation von Wörtern, die mit Hitze und hohen Temperaturen zusammenhängen, dazu führen kann, dass häufiger aggressive Gedanken berichtet werden.

Das Forschungsteam um Rishtee K. Batra befasste sich mit dieser Frage in Bezug auf den Zusammenhang mit Aggression. Genauer gesagt untersuchten sie, ob es einen Zusammenhang zwischen scharfem Essen und aggressiven Gedanken gibt. Um dies zu überprüfen, führte das Forschungsteam in Indien mehrere Untersuchungen durch. In einer ersten Studie wurde zunächst gezeigt, dass Teilnehmende, die eine stärkere Vorliebe für scharfes Essen hatten, sich selbst auch als aggressiver einschätzten als Teilnehmende, die lieber mildere Speisen aßen. Da dieser Zusammenhang aber auch darauf zurückzuführen sein könnte, dass Menschen mit einem hitzigen Temperament sowohl zu Aggressivität neigen, als auch scharfes Essen mögen, wurde eine weitere Studie geplant.

Um nun festzustellen, ob tatsächlich scharfes Essen zu aggressiveren Gedanken führen kann, wurden in einer zweiten Studie Versuchsteilnehmende gebeten, an einem Produkttest teilzunehmen. Eine Hälfte der Teilnehmenden bekam für diesen Test einen scharfen Tortillachip, die andere Hälfte einen eher milden. Nachfolgend wurde den Teilnehmenden eine unklare Verhaltensbeschreibung einer fremden Person gegeben, die sie dann bewerten sollten. Es zeigte sich, dass Teilnehmende, die zu Beginn der Studie einen scharfen Tortillachip kosteten, im Vergleich zu Teilnehmenden, die einen milden Chip bekamen, eher dazu tendierten, die beschriebene Person als aggressiv zu bewerten. Diese Ergebnisse lassen sich sogar dann zeigen, wenn die Teilnehmenden nichts essen, sondern nur Bilder von entsprechendem Essen sehen oder mit Schärfe zusammenhängende Wörter gezeigt bekommen, wobei Bilder eine stärkere Wirkung erzielen.

Interessant wäre es nun, Untersuchungen auch in anderen Ländern mit anderen Esskulturen durchzuführen und verschiedene Speisen zu testen. Dennoch legen die Studien insgesamt den Schluss nahe, dass es durchaus einen Zusammenhang zwischen scharfem Essen und aggressiven Gedanken geben könnte. Was man „isst“, kann durchaus einen Einfluss auf unser Denken und Handeln haben – es kann bestimmen, was man „ist“.

 

Batra, R. K., Ghoshal, T, & Raghunathan, R. (2017). You are what you eat: An empirical investigation of the relationship between spicy food and aggressive cognition. Journal of Experimental Social Psychology, 71, 42–48. https://doi.org/10.1016/j.jesp.2017.01.007

Redaktion und AnsprechpartnerIn*: Mariela Jaffé*, Anne Landhäußer

 



Das Buch


Das Buch zu Forschung erleben in der 2. Auflage!
„Ich, du, wir und die anderen – Spannendes aus der Sozialpsychologie“
herausgegeben vom Team um Forschung erleben

Bild_Buch_Auflage_2

zum Buch

 

 
 
 
 
Wussten Sie...?!MitmachenNewsletterWer wir sindLinksMobile Version