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Wann Macht zu schlechteren Entscheidungen führt

Gruppen von mächtigen Personen erzielen schlechtere Arbeitsergebnisse als Gruppen mit weniger Macht, wenn eine Aufgabe viel Koordination erfordert.

Schlagzeilen über gescheiterte Verträge oder Konferenzen in der Politik erreichen uns fast täglich – so braucht man nur einmal einen Blick auf die langen Verhandlungen in internationalen Klimakonferenzen oder in Friedensgesprächen zu werfen. Wenn Gruppen von mächtigen Personen ihr Ziel nicht erreichen, kann der Schaden tiefgreifend sein. Staatsoberhäupter von  Ländern, die daran scheitern, Spannungen zu beseitigen, riskieren, dass sich ein Konflikt zu einem Krieg ausweitet. Doch woran liegt es, dass mächtige Personen häufig schlechtere Resultate erzielen, wenn sie zusammen arbeiten?

Besonders interessant ist diese Frage, da bisherige Forschungsergebnisse darauf hinweisen, dass das Innehaben von Macht die individuelle Leistung erhöhen kann.  Das Gefühl Macht zu haben kann demnach dazu führen, kreativer zu denken, Informationen effektiver zu verarbeiten und sich für längere Zeit auf eine Aufgabe zu konzentrieren – wenn die Person alleine arbeitet.  Wenn also die individuelle Leistung durch Macht steigt, sollte dies dann nicht auch für die Leistung von Gruppen mächtiger Personen gelten?

Dieser Frage gingen die Forscher John Hildreth und Cameron Anderson in einer Reihe von Studien nach. Die Versuchspersonen mussten dafür zunächst zu zweit einen möglichst hohen Turm bauen. Per Zufall durfte eine Person dabei die andere bewerten und am Ende bestimmen, wie viel Geld diese dafür bekommen sollte. Dadurch sollte ein Gefühl von viel (bzw. wenig) Macht hervorgerufen werden. Im Anschluss wurden die Teilnehmenden je nach Macht in neue Gruppen aufgeteilt – diejenigen, die in der Turmbau-Aufgabe viel Macht hatten, bildeten die Gruppe mächtiger Personen, die anderen die Gruppe weniger mächtiger Personen. Beide Gruppen sollten dann verschiedene Leistungen erbringen, beispielsweise kreative Nutzungsmöglichkeiten eines Ziegelsteins generieren. Überraschenderweise konnten die Forscher zeigen, dass Macht zu haben in Gruppen mit anderen Mächtigen ein Hindernis darstellen kann: Macht senkt die Fähigkeit von Mächtigen, mit anderen Mächtigen zusammen zu arbeiten. Die Mächtigen zeigten dadurch weniger kreative Leistung in einer anschließenden Gruppenaufgabe – aber nur dann, wenn bei dieser Aufgabe viel Koordination nötig war. Wenn wenig Koordination erforderlich war, schnitt die Gruppe mit mehr Macht sogar besser ab. Zudem hatten Gruppen mächtiger Personen eine geringere Wahrscheinlichkeit, zu einer Übereinstimmung in einer Verhandlungsaufgabe zu kommen.

Doch warum ist das so? Die Forscher begründen diesen Befund anhand von Analysen, die drei Hinweise geben: Gruppen mächtiger Personen zeigen bei viel Koordinationsaufwand eine schlechtere Leistung, weil sie miteinander um den relativen Status in der Gruppe konkurrierten, weniger auf die Aufgabe fokussiert waren und Informationen weniger effektiv teilten. Macht beeinträchtigt folglich die Fähigkeit, mit anderen Mächtigen zusammen zu arbeiten. Möglicherweise sehen Sie die nächste zähe politische Verhandlung nun in einem anderen Licht – es könnte nicht nur an der individuellen Leistung der Politiker liegen, wenn ein Vertrag scheitert, sondern auch an der Gruppendynamik mächtiger Personen und dem Koordinationsaufwand der Aufgabe.

 

Hildreth, J. A. D., & Anderson, C. (2016). Failure at the Top: How Power Undermines Collaborative Performance. Journal of Personality and Social Psychology, 110(2), 261.

Redaktion und AnsprechpartnerIn*: Sebastian Butz*, Judith Tonner



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