Drucken | Senden | Podcast | Forschung per E-Mail

“Schatz, reich mir deine Hand”

In einer schmerzvollen Situation die Hand des Partners zu halten, reduziert bei Frauen die Schmerzwahrnehmung.

Menschen sind soziale Wesen – wie gerne gehen wir mit Freundinnen am Nachmittag Kaffee trinken und tauschen uns im Büro mit den Arbeitskollegen über die neuesten Entwicklungen der Firma aus. Gerne plaudern wir mit dem Nachbarn, feiern Geburtstage im Kreise unserer Lieben und genießen einen romantischen Abend mit dem Partner. Doch nicht nur in guten Zeiten suchen wir die Nähe anderer, gerade in schlechten Zeiten spielt soziale Unterstützung eine elementare Rolle: So kann man sich zum Beispiel nach einer verpatzten Abschlussprüfung bei Freunden den Frust von der Seele reden und sie direkt nach Hilfe und Unterstützung bitten. Meist werden durch das Gespräch viele Dinge klarer und so manche Sorgen und Ängste können reduziert werden.

Auch bei körperlichen Schmerzen hilft soziale Unterstützung, wie eine Forschungsgruppe um Sarah  Master an der University of California herausfand. Die Teilnehmerinnen in der Studie mussten in einem Laborraum mehrmals einige Sekunden lang Hitze an ihrem Unterarm aushalten. Diese Hitzereize waren so eingestellt, dass sie als leichter körperlicher Schmerz wahrgenommen wurden. Entscheidend war, dass die Frauen während der Hitzeberührung nacheinander entweder die Hand des Partners (der hinter einem Vorhang saß), die Hand eines fremden Mannes (der ebenfalls hinter dem Vorhang saß) oder ein Objekt (einen weichen Ball) hielten. Im Anschluss daran sollten die Frauen berichten, wie unwohl sie sich während des schmerzhaften Hitzereizes gefühlt hatten.

Am Besten ertrugen die Frauen die Schmerzen, wenn sie die Hand des Partners hielten. Der Schmerz wurde als unangenehmer wahrgenommen, wenn die Frauen ein Objekt hielten. Am unangenehmsten jedoch war ihnen die Situation, wenn sie die Hand eines Fremden halten mussten.

Aus diesen Ergebnissen lassen sich zwei interessante Erkenntnisse ableiten. Zum einen ist die Schmerzwahrnehmung subjektiv. Genau die gleiche Temperatur des Hitzereizes wird mal mehr, mal weniger schmerzhaft wahrgenommen. Diese Wahrnehmung ist abhängig von der sozialen Unterstützung, die die Frauen erhielten. Zum zweiten hilft soziale Unterstützung bei Schmerzen nicht an sich, sondern es kommt darauf an, dass man diese menschliche Nähe mit einer vertrauten Person teilt.

Den Partner bei einer unangenehmen Situation, wie zum Beispiel dem Besuch des Zahnarztes, dabei zu haben, kann also hilfreich sein. Er bietet Unterstützung und vermittelt der Partnerin das Gefühl geliebt und umsorgt zu werden, was die Schmerzwahrnehmung reduziert. Doch überraschenderweise ist es besser, sich in einen Ball, die Tasche oder einen sonstigen Gegenstand zu krallen, als die warme Hand eines Fremden zu greifen. Ob dabei auch die Eifersucht des anwesenden Partners eine Rolle spielt, bleibt noch herauszufinden.

 

Master, S.L., Eisenberger, N.I., Taylor, S.E., Naliboff, B.D, Shirinyan, D., Lieberman, M.D. (2009). A picture’s worth: Partner photographs reduce experimentally induced pain. Psychological Science, 20, 1316-1318. 



Mehr zu: Gefühle | Gesundheit

Das Buch


Das Buch zu Forschung erleben in der 2. Auflage!
„Ich, du, wir und die anderen – Spannendes aus der Sozialpsychologie“
herausgegeben vom Team um Forschung erleben

Bild_Buch_Auflage_2

zum Buch

 

 
 
 
 
Wussten Sie...?!MitmachenNewsletterWer wir sindLinksMobile Version