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Das eigene Facebook-Profil: Mir gefällt das.

Das Betrachten des eigenen Facebook-Profils kann dabei helfen, ein positives Selbstbild zu bewahren.

Facebook wird häufig kritisiert. Während über den Vorwurf des Datenklaus nur spekuliert werden kann, haben sich die Bedenken, es biete eine Plattform für Cybermobbing, schon mehrfach bewahrheitet. Eine Facebook-Mitgliedschaft hat aber auch Vorteile wie das Finden von Personen, mit denen man etwas gemeinsam hat (z.B. Studiengang oder Interessen). Das Forschungsteam Catalina Toma und Jeffrey Hancock hat nun noch einen weiteren Nutzen des eigenen Facebook-Profils aufgedeckt.

Allgemeinen streben Menschen danach, ein positives Bild von sich selbst aufrechtzuerhalten und suchen deshalb in ihrem Umfeld Bestätigung dafür. Diese Selbstbestätigung kann ihnen dabei helfen, mit Bedrohungen ihres Selbstbilds durch negatives Feedback besser umzugehen. Toma und Hancock nahmen an, dass das eigene Facebook-Profil zur Selbstbestätigung genutzt werden kann, weil absolute Kontrolle über Art und Ausmaß der preisgegebenen Informationen im eigenen Profil besteht und unbegrenzte Zeit zur Optimierung der Selbstdarstellung zur Verfügung steht.
 
Diese Annahme untersuchten die Forschenden in einer Studie, in der Studierende eine freie Rede vor einer Kamera halten sollten. Anschließend bearbeiteten alle eine Aufgabe, die entweder das Selbstbild bestätigen sollte oder nicht. Die selbstbestätigende Aufgabe bestand entweder im Anschauen des eigenen Facebook-Profils oder im Schreiben eines kurzen Aufsatzes darüber, warum der bedeutsamste Aspekt in ihrem Leben so wichtig für sie war– eine etablierte Aufgabe zur Selbstbestätigung. Bei der Aufgabe ohne Selbstbestätigung schauten sich die Teilnehmenden entweder ein fremdes Facebook-Profil an oder schrieben einen Aufsatz darüber, warum der unbedeutendste Aspekt in ihrem Leben für einen durchschnittlichen Studierenden wichtig war. Alle erhielten danach ein negatives Feedback zu ihrer freien Rede und sollten dessen Fairness bewerten.
 
Es zeigte sich, dass sowohl das Anschauen des eigenen Facebook-Profils als auch das Schreiben des Aufsatzes über den bedeutsamsten Aspekt im eigenen Leben selbstbestätigend war: Beide Gruppen akzeptierten das folgende negative Feedback besser als die Teilnehmenden, die eine Aufgabe ohne Möglichkeit zur Selbstbestätigung bearbeitet hatten.
 
In einer weiteren Studie wurde untersucht, ob nach einer Bedrohung des Selbstbilds durch negatives Feedback das eigene Facebook-Profil auch unaufgefordert zur Selbstbestätigung aufgesucht wird. Dieses Mal erhielten die Teilnehmenden für ihre freie Rede entweder ein negatives oder ein neutrales Feedback. Anschließend durften sich alle eine von fünf Aufgaben aussuchen, die zuvor bei einer Befragung als vergleichbar attraktiv beurteilt worden waren. Neben dem Betrachten des eigenen Facebook-Profils konnte man sich unter anderem Videos auf YouTube anschauen. Wie erwartet wurde das eigene Facebook-Profil nur nach negativem Feedback deutlich häufiger als die anderen Aufgaben gewählt; nach neutralem Feedback wurden hingegen alle Aufgaben vergleichbar oft ausgewählt.
 
Das eigene Facebook-Profil kann und wird also zur Selbstbestätigung genutzt. Für Personen mit einer positiven Selbstdarstellung in Facebook kann das ein Vorteil sein. Werden Personen jedoch im Rahmen von Cybermobbing auf ihrem Facebook-Profil mit negativen Kommentaren konfrontiert, sollten sie sich nicht noch durch das Betrachten ihres Profils in einem negativen Selbstbild bestärken lassen, sondern ihr Profil vermutlich besser löschen.
 
 
Toma, C. L., & Hancock, J. T. (2013). Self-affirmation underlies Facebook use. Personality and Social Psychology Bulletin, 39, 321-331. doi: 10.1177/0146167212474694
 


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