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Wie stabil sind Fernbeziehungen?

Negative Emotionen, niedriger Selbstwert und Zukunftspessimismus gefährden die Stabilität von Fernbeziehungen vor allem bei Männern.

Immer mehr Paare sind heutzutage aufgrund ihrer beruflichen Situation gezwungen eine Fernbeziehung zu führen. Flexibilität, Globalisierung und Internetliebe sind Schlagworte, die uns immer häufiger begegnen. Die physische Trennung vom Partner jedoch kann auch jede Menge Stress, negative Gefühle und Unzufriedenheit mit der Beziehung hervorrufen. Faktoren, die die Stabilität der Beziehung gefährden. Wie stehen also tatsächlich die Chancen für ein langfristiges Fortbestehen von Partnerschaften, die durch räumliche Entfernung gekennzeichnet sind? Kommt es in Fernbeziehungen häufiger und frühzeitiger zu einer Trennung als bei Partnern, die in ein und derselben Stadt wohnen? Was sind neben der geographischen Distanz entscheidende Risikofaktoren, die auf die Beziehungsdauer Einfluss nehmen?

 

Diesen Fragen widmeten sich die Sozialpsychologen Jessica Cameron und Michael Ross in einer Untersuchung, bei der sie fast hundert Paare zwischen 16 und 27 Jahren befragten, die bereits seit mindestens drei Monaten zusammen waren. Nahezu die Hälfte der Paare führte zum Zeitpunkt der Befragung eine Fernbeziehung. In einem Fragebogen beantworteten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen Fragen zu ihrer Persönlichkeit und ihrem Vertrauen in die Beziehung. Ein Jahr später wurden die Teilnehmenden mittels Telefoninterview erneut befragt – unter Anderem sollten sie angeben, ob die damalige Beziehung denn noch immer bestehe.

 

Es zeigte sich, dass zunächst unabhängig von der räumlichen Entfernung bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie zum Beispiel eine allgemeine Tendenz zu negativen Gefühlslagen (die sogenannte negative Affektivität) die Wahrscheinlichkeit einer Trennung erhöhten. So gingen pessimistische Einstellungen gegenüber der Zukunft, ein niedriger Selbstwert und negative Emotionen wie Ängstlichkeit und Depression mit einer geringeren Beziehungsstabilität einher.

 

Insgesamt gesehen kam es bei Fernbeziehungen häufiger zu einer Trennung (35%) als bei Beziehungen innerhalb derselben Stadt (24%). Dabei waren es vor allem Männer mit einer hohen negativen Affektivität, deren Fernbeziehungen häufiger beendet wurden. Aus anderen Untersuchungen ist bekannt, dass Männer im Vergleich zu Frauen Interaktionen von Angesicht zu Angesicht als wichtiger empfinden und schlechter Intimität durch Fernkommunikation (z.B. über Telefon und Internet) herstellen können. Sie sind in Fernbeziehungen weniger zufrieden und können sich diesen auch schlechter anpassen. Da sie nicht über so große soziale Netzwerke wie Frauen verfügen, sind Männer zudem im Allgemeinen stärker auf die soziale Unterstützung ihrer Partnerin angewiesen. Vor allem für Männer mit einer hohen negativen Affektivität ist die Unterstützung durch die Partnerin von besonderer Bedeutung. Gerade sie tun sich jedoch schwer, ihre Probleme über Telefon oder andere Fernkommunikationsmittel mitzuteilen und bleiben so mit ihren Sorgen und Ängsten allein. Negative Affektivität kann also zu einer Gefahr für jede Partnerschaft werden, aber besonders für Fernbeziehungen.

 

Negative Emotionen, ein niedriger Selbstwert und Zukunftspessimismus des Partners oder der Partnerin sollten deshalb sehr ernst genommen werden. Es gilt, Intimität herzustellen, über Sorgen und Probleme zu sprechen und sich gegenseitig zu unterstützen, auch wenn es manchmal durch Kommunikationsmittel wie das Telefon erschwert wird. Sollte das jedoch gelingen, stehen die Chancen für das Fortbestehen der Partnerschaft auch über große Distanzen gut.

 

Cameron, J.J. & Ross, M. (2007). In times of uncertainty: predicting the survival of long-distance relationships. Journal of Social Psychology, 147 (6), 581-606.



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