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Macht Small-Talk glücklich?

Personen, die häufig substantielle Konversationen führen, sind tendenziell glücklicher als Small-Talk-Profis.

Kennen Sie folgende Situation? Sie sind unterwegs und treffen plötzlich auf einen Bekannten, der mit Ihnen reden möchte. Nun heißt es, sich über’s Wetter und ein wenig über den Beruf auszutauschen, eben einfach einen Small Talk zu halten. Sind Sie der Typ dafür? Finden Sie es angenehm, oberflächliche Konversationen zu führen, oder reden Sie, wenn Sie ein Gespräch führen, lieber über tiefsinnige Themen? Und was meinen Sie: Wenn man die Menschen in zwei Gruppen aufteilen würde, „Small-Talker“ und „Tiefsinnige Gesprächsführende“, wer ist glücklicher?

Genau diese Frage stellte sich auch eine amerikanische Forschungsgruppe um Matthias Mehl. Sie ließ die Teilnehmenden ihrer Studie einen Rekorder tragen, der im Laufe des Tages mehrmals für kurze Zeit die Umgebungsgeräusche aufzeichnete und so auch die Gespräche dokumentierte, die die Teilnehmenden gerade führten (sofern sie denn Gespräche führten). Unabhängige BeurteilerInnen stuften diese Gesprächsfetzen als Small-Talk oder tiefsinnige Konversation ein. Durchaus mögliche Zwischenformen wurden nicht analysiert. Zusätzlich wurde die Lebenszufriedenheit der Teilnehmenden festgestellt; auf der einen Seite durch Selbstbericht, auf der anderen Seite auch über Fremdbeurteilungen durch FreundInnen, KommilitonInnen und Angehörige.

Anhand dieser Daten konnte die Forschungsgruppe erstens zeigen, dass diejenigen Teilnehmenden tendenziell glücklicher waren, die weniger Zeit alleine und mehr Zeit in Gesellschaft verbrachten. Zweitens wurde erkennbar, dass diejenigen, die mehr substantielle Gespräche führten, ebenfalls tendenziell glücklicher waren als solche Teilnehmenden, die eher belanglose Gespräche führten.

Aber heißt das nun, dass tiefsinnige Gespräche einen Menschen glücklicher machen? So einfach ist das leider auch wieder nicht. In der Studie von Mehl und Kollegen fand nämlich keine experimentelle Manipulation des Verhaltens statt. Es wurde also nicht gezielt gesteuert, ob die ProbandInnen eine tiefsinnige Konversation oder aber einen Small-Talk führten, um danach Unterschiede in der Zufriedenheit zu analysieren. Stattdessen wurde das Verhalten nur beobachtet. Deswegen kann nicht ausgeschlossen werden, dass es andere Faktoren gab, die sowohl die Lebenszufriedenheit der Teilnehmenden als auch ihr Gesprächsverhalten beeinflussten (z. B. viele gute Freunde). Ebenso wäre ein umgekehrter Zusammenhang derart denkbar, dass eine hohe Lebenszufriedenheit dazu führt, dass Personen viele tiefsinnige Gespräche führen. Um den genauen Zusammenhang zwischen Gesprächsverhalten und Lebenszufriedenheit zu bestimmen, sind also weitere Studien unerlässlich.

Für Sie konkret ergibt sich nun folgendes Bild: Sie können sich glücklich schätzen, wenn Sie sich vorher der Gruppe der „Tiefsinnigen Gesprächsführenden“ zugeteilt haben – aber vermutlich sind Sie es dann ohnehin schon.

 

Mehl, M.R., Vazire, S., Holleran, S.E., & Clark, C.S. (2010). Eavesdropping on happiness: Well-being is related to having less small talk and more substantive conversations. Psychological Science, 20(10), 1-3.



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