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Was sind die Grundlagen für eine glückliche Ehe?

Verständnis und Vertrauen sind Hauptfaktoren eines guten Ehelebens.

In Deutschland lassen sich pro Jahr circa 210.000 Paare scheiden. Seit den 60er Jahren steigt die Scheidungsquote kontinuierlich an. Insgesamt gehen etwa zwei Fünftel aller Ehen wieder auseinander. Soweit zur Statistik. Doch was steckt hinter diesen Zahlen? Wo können mögliche Ursachen für das Scheitern von Ehen liegen? Was sind die Gründe für eine schlechte, was die Grundlagen für eine gute Beziehung?

Amerikanische PsychologInnen um Kieran Sullivan versuchten auf diese Fragen Antworten zu finden, indem sie frisch verheiratete Paare über einen Zeitraum von 10 Jahren hinweg beobachteten. In diesem Zeitraum mussten die Paare immer wieder Fragebögen ausfüllen und angeben, inwieweit sie mit ihrer Ehe zufrieden sind. Zusätzlich sollten die Ehepaare bei jedem Beobachtungszeitpunkt gemeinsam mehrere Probleme ihres Alltags besprechen. Dafür mussten die Ehepartner getrennt voneinander einerseits individuelle Probleme angeben, die sie als Person beschäftigten, und andererseits Themen in der Beziehung aussuchen, über die sie mit ihrem Partner im weiteren Verlauf der Untersuchung diskutieren wollten. Nachdem beide diese Themen angegeben hatten, wurde untersucht, wie die Partner im Gespräch auf die Probleme des jeweils anderen reagierten und ob die Art dieser Reaktionen einen Einfluss auf die zukünftige Zufriedenheit in der Ehe hatte.

Ein erster entscheidender Faktor für die Ehezufriedenheit war laut den Ergebnissen, ob die Partner ihre Probleme überhaupt miteinander besprechen wollten und sich nicht vor Diskussionen verschlossen. Bei Paaren, die Themen besprachen, die für sie persönlich wichtig waren, war die Zufriedenheit in der Ehe in späteren Jahren erheblich höher als bei den Paaren, die in der Diskussionsphase nur über persönlich irrelevante Themen redeten.

Außerdem hatten die Paare, welche die Probleme des Partners  ernst nahmen und sich gegenseitig bei der Bewältigung dieser Probleme unterstützten, im Mittel eine zufriedenere Ehe als Paare, bei denen mindestens ein Partner den Problemen des anderen ablehnend gegenübertrat. Laut den ForscherInnen kann dieser Zusammenhang zwischen Ehezufriedenheit und dem Verständnis für den Partner einen negativen Kreislauf in der Beziehung in Gang setzen:  So zeigen Partner in  einer unglücklichen Ehe vermutlich weniger Verständnis für die Probleme des anderen.  Dieses geringe Verständnis wiederum kann die Zufriedenheit in der Ehe weiter sinken lassen -  und so fort. 

Eine negative Paarkommunikation,  beispielsweise abwertende Reaktionen auf ernst gemeinte Probleme des Partners,  kann also durch fehlendes Verständnis auf der einen und mangelndes Vertrauen auf der anderen Seite immer weiter verstärkt werden. Dieser Kreislauf kann aber auch durchbrochen werden, wenn die Ehepartner wieder auf die Probleme des anderen eingehen.

 

Sullivan, K.T., Pasch, L.A., Johnson, M.D., & Bradbury, T.N. (2010). Social support, problem solving, and the longitudinal course of newlywed marriage. Journal of Personality and Social Psychology, 98(4), 631-644.



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