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Vorstellungskraft als Mittel gegen Dehumanisierung?

Die Vorstellung, mit einer anderen Gruppe in einen positiven Kontakt zu kommen, kann die Wahrnehmung der Menschlichkeit dieser Gruppe erhöhen.

Im Alltag begegnen uns häufig Vorurteile gegenüber Gruppen. Vielleicht haben auch Sie bereits die Erfahrung gemacht, dass Vorurteile nicht mit der Realität übereinstimmen müssen und sich sogar durch den Kontakt mit Personen der anderen Gruppe abbauen lassen. Leider besteht nicht immer die Möglichkeit durch persönliche Kontakte negative Erwartungen zu reduzieren, sodass Forschende nach neuen Maßnahmen suchen, um diese abzubauen.

Ein Teil von Vorurteilen besteht in dehumanisierenden Gedanken, also der Bewertung einer anderen Gruppe als weniger menschlich. Bisherige Arbeiten zeigen, dass eine andere Kultur eher als animalisch oder als mechanistisch wahrgenommen werden kann. Demzufolge wird der betroffenen Kultur entweder die menschliche Einzigartigkeit oder die menschliche Natur abgesprochen. Dadurch kann es zu negativeren Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber dieser Gruppe kommen. Mehrere Forschende haben sich bereits mit möglichen Maßnahmen zur Reduktion der Dehumanisierung befasst. So hat sich gezeigt, dass positive Erfahrungen mit einer anderen Kultur zur Reduktion negativer Bewertungen und zur Erhöhung positiverer Einschätzungen beitragen. Bei Grundschulkindern hat sich rein die Vorstellung einer positiven Begegnung als wirksam gezeigt.

Das Forschungsteam um Prati und Loughnan untersuchte vor diesem Hintergrund, wie sich die Vorstellung eines positiven Kontakts mit einer Person aus einer vorurteilsbelasteten Gruppe auf die Wahrnehmung dieser Gruppe auswirkt und ob sich Verhaltensabsichten gegenüber dieser verändern. In einer dazu durchgeführten Onlinestudie wurden 70 ItalienerInnen zu der Wahrnehmung von japanischen Personen befragt. Die Vorurteile gegenüber den japanischen Personen bestehen der Literatur zufolge in der Wahrnehmung als eine eher „mechanistische Kultur mit geringerer menschlicher Natur“. Die Versuchspersonen sollten sich entweder eine Minute lang einen positiven und entspannten Kontakt mit einer japanischen Person vorstellen oder an schöne (japanische) Landschaften denken. Anschließen bewerten sie, wie sehr eine japanische Person Eigenschaften hat (im Vergleich zum Durchschnitt aller Personen) und in welchem Maße sie unterschiedliche Emotionen erlebe. Zudem wurde noch abgefragt, wie sehr japanische Personen vier verschiedene Menschenrechte besitzen, beispielsweise das Recht haben den Mann/die Frau zu heiraten, die sie möchten.

Dabei zeigt sich, dass die Versuchspersonen in der Bedingung, bei der sie sich einen positiven Kontakt mit einer japanischen Personen vorgestellt haben, japanischen Personen höhere Werte in menschlicher Natur zuschrieben (im Vergleich zur Kontrollgruppe), also verschiedene Persönlichkeitseigenschaften und das Erleben von Emotionen. Zudem zeigt sich eine höhere Zustimmung zu den Menschenrechten. Der vorgestellte Kontakt führt also zu einer erhöhten Wahrnehmung der menschlichen Natur. Eine Einschränkung der Arbeit besteht darin, dass nur die Wahrnehmungen überprüft wurden. Zukünftige Arbeiten sollten demnach erweiternd testen, ob auch das Verhalten gegenüber den Personen durch einen vorgestellten Kontakt beeinflusst werden kann. Sollten sich diese Ergebnisse hier erneut zeigen, könnte man eine vorgestellte Begenungen nutzen, um tatsächliche Begegnungen vorzubereiten und positiver gestalten zu können. Dadurch könnten sich negative Vorurteile bereits vor einem Aufeinandertreffen abmildern lassen.

 

Prati, F., & Loughnan, S. (2018). Imagined intergroup contact promotes support for human rights through increased humanization. European Journal of Social Psychology, 48, 51-61. doi: 10.1002/ejsp.2282

Redaktion und Ansprechpartner*in¹: Mariela Jaffé¹, Sebastian Butz



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