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Durch den Glauben an einen freien Willen zufriedener am Arbeitsplatz?

Zwischen dem Glauben an einen freien Willen und Arbeitszufriedenheit besteht ein positiver Zusammenhang, der über Autonomieempfinden vermittelt wird.

Die Diskussion über die Existenz eines freien Willens wird seit der Antike geführt und ist oft philosophischer Natur. Einen freien Willen zu haben, bedeutet, frei handeln zu können und uneingeschränkt die Wahl zwischen verschiedenen Handlungsoptionen zu haben. Für die Sozialpsychologie ist interessant, welche Konsequenzen sich aus dem Glauben an einen freien Willen für das menschliche Denken, Fühlen und Handeln ergeben.

Vergangene Forschung konnte beispielsweise zeigen, dass der Glaube an einen freien Willen dazu führt, dass sich Personen autonomer fühlen, also eher daran glauben, selbstbestimmt und unabhängig handeln zu können. Dies zieht oftmals eine bessere Leistung nach sich, zum Beispiel im beruflichen Kontext. Zudem ermöglicht der Glaube an einen freien Willen, dass Menschen selbst alltägliche Handlungen als frei wählbar einstufen. Dies kann wiederum das Treffen von Entscheidungen erleichtern und die Zufriedenheit mit Entscheidungen stärken. Doch bedeutet dies, dass der Glaube an einen freien Willen auch am Arbeitsplatz zu mehr Zufriedenheit führt? Wenn ja – gilt dies gleichermaßen für verschiedene Kulturen?

Mit diesen Fragen setzte sich ein Forschungsteam um Gilad Feldman auseinander. Es vermutete, dass der Glaube an einen freien Willen auch im Arbeitskontext zu mehr Autonomieempfinden führt, was letztlich wiederum die Arbeitszufriedenheit positiv beeinflussen sollte. Des Weiteren nahmen die Forschenden an, dass kulturelle Unterschiede hinsichtlich des Zusammenhangs existieren: Da ein freier Wille in verschiedenen Kulturen unterschiedlich stark wertgeschätzt wird, sollte er sich auch unterschiedlich stark auf die Arbeitszufriedenheit auswirken.

Zur Überprüfung der Forschungsfragen wurden in einer ersten Studie taiwanische ImmobilienmaklerInnen gebeten, mittels Fragebogens ihre Zustimmung zu Aussagen zu geben, welche ihren Glauben an einen freien Willen (z. B. „Ich habe einen freien Willen.“) und ihre Arbeitszufriedenheit (z. B. „Ich bin zufrieden mit der Tätigkeit in meinem Job.“) erfassten. Die Ergebnisse zeigten, dass mit dem Glauben an einen freien Willen die Arbeitszufriedenheit der ImmobilienmaklerInnen stieg.

In einer zweiten Online-Studie sollten amerikanische Teilnehmende zusätzlich Aussagen zu ihrer wahrgenommenen Autonomie bei der Durchführung ihres Jobs beantworten (z. B. „Ich kann selbst bestimmen, wie ich meine Arbeit durchführen möchte."). Die Ergebnisse legten offen, dass der Glaube an einen freien Willen mit einer höheren wahrgenommenen Autonomie bei der Durchführung des Jobs einherging, welche wiederum die Arbeitszufriedenheit vorhersagte. Die Auswertung von Daten mehrerer Tausend Teilnehmenden einer länderübergreifenden Untersuchung zeigte darüber hinaus, dass der besagte Zusammenhang insbesondere in Ländern gegeben ist, in denen der Glaube an einen freien Willen gesellschaftlich als bedeutender eingestuft wird, also zum Beispiel in der Schweiz oder in Mexiko.

Die Befunde weisen darauf hin, dass vor allem Arbeitnehmende, die nicht an einen freien Willen glauben, von zusätzlichen Maßnahmen zur Förderung von Arbeitszufriedenheit profitieren könnten. Da die Teilnehmenden in den Studien jedoch zeitgleich zu ihrem Glauben an Willensfreiheit, dem Autonomieempfinden und ihrer Arbeitszufriedenheit befragt wurden, lässt sich die Wirkungsrichtung der Beziehung nicht bestimmen. Diese sollte in zukünftiger Forschung experimentell überprüft werden.

 

Feldman, G., Farh, J., & Wong, K. F. E. (2018). Agency beliefs over time and across cultures: Free will beliefs predict higher work satisfaction. Personality and Social Psychology Bulletin, 44, 304–317. doi: 10.1177/0146167217739261

Redaktion und AnsprechpartnerIn*: Bianca von Wurzbach*, Maria Douneva

 



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