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Mit dem Shirt des Partners Stress reduzieren

Der Geruch des Partners kann bei Frauen das Stressempfinden in belastenden Situationen vermindern, wohingegen der Geruch einer fremden Person körperliche Stressreaktionen erhöhen kann.

Wenn sich Personen in stressigen Situationen befinden, suchen sie häufig nach Nähe und Unterstützung bei ihrem Partner oder ihrer Partnerin. Oft genügt bereits eine Umarmung, das Halten der Hand oder auch nur das Betrachten eines Bildes der geliebten Person, um den empfundenen Stress zu mindern. Auch der Geruch eines nahstehenden Menschen wird häufig als angenehm und beruhigend eingestuft und löst oft das Gefühl von Sicherheit aus. Doch bedeutet dies, dass der Geruch des Partners oder der Partnerin den Umgang mit Stress erleichtern kann? Und wie wirkt sich andererseits der Geruch einer fremden Person auf die Stressreaktionen aus?

Bisherige Forschung zeigt, dass Neugeborene bereits vom Geruch der Milch ihrer Mutter beruhigt werden, was zu einer reduzierten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol führt. Der Geruch einer fremden Person aktiviert beim Menschen demgegenüber ähnliche Hirnregionen wie bedrohliche Reize. Auf diesen Befunden aufbauend, vermutete ein Forschungsteam um Marlise Hofer, dass der Geruch des Partners oder der Partnerin Stressreaktionen reduzieren und der Geruch einer fremden Person selbige erhöhen kann.

Um diese Annahmen zu prüfen, wurden weibliche, heterosexuelle Versuchspersonen in einem Experiment in eine Stresssituation versetzt: Sie sollten einen Bewerbungsvortrag halten und zudem unangekündigt mathematische Aufgaben lösen. Vor und nach dieser Stresssituation sollten die Teilnehmerinnen mehrmals am gleichen T-Shirt riechen. Je nachdem, in welche Gruppe sie zufällig eingeteilt worden waren, war dieses T-Shirt zuvor entweder von ihrem Partner, einer fremden Person oder von niemandem getragen worden. Ob oder von wem das T-Shirt getragen worden war, wussten die Probandinnen dabei nicht. Zudem sollten sie im Verlauf des Experiments mehrfach ihr Stressempfinden berichten. Um einen Hinweis auf die körperliche Stressreaktion der Teilnehmerinnen zu erhalten, wurden ihnen darüber hinaus mehrere Speichelproben entnommen und die darin enthaltene Konzentration des Stresshormons Cortisol gemessen.

Es zeigte sich, dass die Teilnehmerinnen, die an dem von ihrem Partner getragenen T-Shirt gerochen hatten, unmittelbar vor der Stresssituation weniger Stress empfanden als die Teilnehmerinnen, die dem Geruch eines Fremden ausgesetzt worden waren. Nach der Stresssituation empfanden erstere sogar weniger Stress als alle übrigen Teilnehmerinnen. Zudem war das Level des Stresshormons Cortisol bei den Probandinnen, die an einem T-Shirt mit dem Duft einer fremden Person gerochen hatten, unmittelbar vor, während und nach der Stresssituation im Vergleich zu den übrigen Teilnehmerinnen erhöht. Substantielle Unterschiede zeigten sich jedoch nur gegenüber den Teilnehmerinnen, die dem Duft ihres Partners ausgesetzt worden waren.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass der Geruch des Partners bei Frauen das Stressempfinden reduzieren kann. Der Geruch eines Fremden scheint körperliche Stressreaktionen demgegenüber zu verstärken. Dieses Wissen können sich Frauen im Alltag zunutze machen, indem sie vor belastenden Situationen an einem von ihrem Partner getragenen Kleidungsstück riechen. Ob sich die Ergebnisse auch bei Männern oder homosexuellen Partnerschaften zeigen, muss noch untersucht werden. Zudem bleibt zu klären, weshalb sich teilweise Unterschiede im subjektiv wahrgenommenen Stressempfinden und in der körperlichen Stressreaktion gezeigt haben.

 

Hofer, M. K., Collins, H. K., Whillans, A. V., & Chen, F. S. (2018). Olfactory cues from romantic partners and strangers influence responses to stress. Journal of Personality and Social Psychology, 114, 1-9. doi: http://dx.doi.org/10.1037/pspa0000110

Redaktion und AnsprechpartnerIn*: Bianca von Wurzbach*, Maria Douneva

 



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