Drucken | Senden | Forschung per E-Mail

Verrät unser Äußeres mehr über uns, als wir denken?

Personen aus der eigenen Kultur kann anhand eines Fotos überzufällig häufig der richtige Name zugeordnet werden.

Für viele werdende Eltern ist es eine schwierige Aufgabe, einen passenden Namen für ihr Kind zu finden.  Der Name sollte möglichst schön klingen und häufig auch noch eine bestimmte Bedeutung haben. Doch was wäre, wenn der Name eine wichtigere Rolle im Leben ihres Kindes spielen würde als bislang angenommen?  Was wäre, wenn Eltern mit der Namensgebung einen Einfluss darauf haben würden, wie ihr Kind später einmal aussehen wird?

Ein internationales Team um die Forscherin Yonat Zwebner vermutete, dass mit bestimmten Namen gewisse Erwartungen verknüpft werden. So sollten die meisten Menschen zum Beispiel bei einer Person, die „Lisa“ heißt, ein anderes Bild im Kopf haben, als wenn sie an eine „Andrea“ denken. Weitergehend vermuteten die Forschenden, dass die Erwartungen anderer nicht nur das Verhalten einer Person, sondern über die Zeit hinweg auch ihr Äußeres—und insbesondere ihren Gesichtsausdruck—beeinflussen können. Das Forschungsteam nahm daher an, dass Personen mit einem bestimmten Namen überzufällig häufig gewisse Gesichtsmerkmale aufweisen sollten.

Um seine Annahme zu prüfen, präsentierte das Team seinen Studienteilnehmenden nacheinander Fotos von unterschiedlichen Gesichtern. Die Aufgabe der Teilnehmenden bestand darin, für jedes Foto aus einer Liste mit vier oder fünf  Namen den tatsächlichen Namen der abgebildeten Person auszuwählen.  Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmenden häufiger den richtigen Namen auswählten, als es durch bloßes Raten möglich gewesen wäre. Bei einer Liste mit vier Namen wählten die Teilnehmenden also in mehr als 25 Prozent der Fälle den richtigen Namen aus; bei einer Liste mit fünf Namen in mehr als 20 Prozent der Fälle.

Jedoch sollte sich der Effekt, dass Gesichtern überzufällig häufig der richtige Name zugeordnet werden kann, nicht immer finden: Da Erwartungen kulturell geprägt sind, sollte sich der Effekt nur dann zeigen, wenn sowohl die abgebildeten Personen als auch die vorgegebenen Namen aus der eigenen Kultur stammen. Dies wurde getestet, indem Studienteilnehmende in Israel und Frankreich die Gesichter und Namen von Personen aus ihrer eigenen Kultur und aus der jeweils anderen Kultur zueinander zuordnen sollten. Es zeigte sich, dass den Gesichtern nur dann überzufällig häufig der richtige Name zugeordnet werden konnte, wenn die abgebildeten Personen und die Namen aus der eigenen Kultur stammten.

Den Ergebnissen zufolge gibt es also einen Zusammenhang zwischen dem Namen einer Person und ihrem Äußeren. Werdende Eltern sollten bei der Namensgebung daher nicht nur den Klang und die Bedeutung von Namen berücksichtigen, sondern sich auch überlegen, welche Erwartungen in ihrer Kultur mit einem bestimmten Namen verknüpft werden. Andererseits sollten wir uns aber auch vornehmen, neuen Bekanntschaften gegenüber möglichst unvoreingenommen zu sein, ganz egal welchen Namen sie tragen.

 

Zwebner, Y., Sellier, A. L., Rosenfeld, N., Goldenberg, J., & Mayo, R. (2017). We look like our names: The manifestation of name stereotypes in facial appearance. Journal of Personality and Social Psychology, 112, 527-554. doi:10.1037/pspa0000076

Redaktion und AnsprechpartnerIn*: Jennifer Eck*, Matthias Keller

 



Das Buch


Das Buch zu Forschung erleben in der 2. Auflage!
„Ich, du, wir und die anderen – Spannendes aus der Sozialpsychologie“
herausgegeben vom Team um Forschung erleben

Bild_Buch_Auflage_2

zum Buch

 

 
 
 
 
Wussten Sie...?!MitmachenNewsletterWer wir sindLinksMobile Version