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Essen mit Herz

„Intuitives Essen“ geht mit einer guten Wahrnehmung und Beachtung der eigenen Körpersignale einher und kann bei normalgewichtigen Personen mit einem niedrigeren Body-Mass-Index zusammenhängen.

Die Weihnachtsfeiertage sind vorbei und das neue Jahr hat begonnen. Tina hat nach der Festtagsschlemmerei und dem Silvesterfondue ein schlechtes Gewissen wegen ihrer zugenommenen Kilos. Ihrer Cousine geht es hingegen nicht so. Diese erzählt freudig: „Ich höre eben auf mein Bauchgefühl beim Essen“. Tina ist frustriert – ihr „Bauchgefühl“ wurde wohl von der schönen Atmosphäre und dem Anreiz des besonderen Essens überrollt.

Tatsächlich unterscheiden sich Menschen darin, inwiefern sie beim Essen auf ihren Körper hören. Das Ausrichten des Essverhaltens nach inneren Hunger- und Sättigungssignalen wird in der Forschung als „intuitives Essen“ bezeichnet und in der Regel mit einem Fragebogen erfasst. Hierbei gibt man beispielsweise an, ob  man zu essen aufhört, wenn man sich voll fühlt, ob man aus Langeweile oder bei Stress isst (was negativ wäre) oder ob man auf seinen Körper beim Essen vertraut. Erste Studien zeigen, dass intuitives Essen mit einem gesunden Verhältnis zwischen Körpergewicht und Körpergröße (Body-Mass-Index, BMI) sowie mit persönlichem Wohlbefinden einhergeht. Sich nicht von seinen Launen, sondern dem richtigen Bauchgefühl leiten zu lassen,  hat also offenbar Vorteile.
 
Ein Forschungsteam um Beate Herbert nahm nun an, dass intuitives Essen mit der Fähigkeit zusammenhängt, innere Körpersignale zu erkennen – der sogenannten „interozeptiven Sensitivität“. Um dies zu überprüfen wurden 120 Frauen untersucht.  Nach dem Ausfüllen von Fragebögen zum intuitiven Essen und persönlichen Daten wurde ihre interozeptive Sensitivität gemessen. Hierbei sollten die Frauen in vorgegebenen Zeitintervallen ihren eigenen Herzschlag zählen, ohne sich dabei den Puls zu nehmen. Um die Genauigkeit dieser Angaben zu bestimmen, wurden die Herzschläge auch objektiv mittels EKG erfasst. 
 
Wie erwartet wiesen Frauen, die angaben, eher intuitiv zu essen, im Schnitt eine bessere interozeptive Sensitivität auf. Zudem konnte gezeigt werden, dass sowohl intuitives Essen als auch eine höhere interozeptive Sensitivität mit einem niedrigen BMI zusammenhängen. Ein niedrigerer BMI wurde hierbei als gesünder gedeutet, da an dieser Studie nur normalgewichtige Frauen teilgenommen hatten (ein zu niedriger BMI würde sonst auf Untergewicht hindeuten).
Intuitives Essen scheint also mit einer guten Körperwahrnehmung sowie einem gesunden Körpergewicht einherzugehen. Diese Zusammenhänge sollten in der Zukunft auch mit über- und untergewichtigen Frauen sowie Männern  untersucht werden. 
 
Die AutorInnen nehmen an, dass unsere körpereigene Intuition uns natürlich gegeben ist, aber früh verlernt werden kann, beispielsweise durch Überfütterung, Diäten oder andere Restriktionen. Hoffnungsvoll stimmen erste Hinweise darauf, dass sich die Wahrnehmung eigener Körpersignale trainieren lässt. Tina nimmt sich jedenfalls vor, in diesem Jahr in vielerlei Hinsicht mehr auf ihr Bauchgefühl zu hören.
 
 
Herbert, B., Blechert, J., Hautzinger, M., Matthias, E. & Herbert, C. (2013). Intuitive eating is associated with interoceptive sensitivity. Effects on body mass index. Appetite, 70, 22–30.
 


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